Musikverein Seen

Geschichte des Musikvereins Seen

(Auszug aus der Abschlussarbeit von Corina Nann)

Unser Stadtkreis Seen war vor 120 Jahren schon kein reines Bauerndorf mehr. Es lebte bereits über die Hälfte der rund 2500 Einwohner von der Industrie und nur etwa ein Viertel von der Landwirtschaft. Seen war früher ein selbständiger Vorort von Winterthur. Aus diesem Grunde war das Verhältnis zur Stadt nicht immer konfliktfrei. Der Drang zum geselligen Zusammensein im Dorf und in den Aussenwachten war dafür umso ausgeprägter. Eine Person hatte auf durchschnittlich 150 Personen ein Wirtschaftspatent. Dieser Zusammenhang zur Geselligkeit war vermutlich vor 120 Jahren der Anlass zur Gründung der Harmonie Kyburg. Heute nennt man ihn Musikverein Seen.

Diese Gründung fand nicht, wie immer angenommen wird, in Seen statt, sondern in Kollbrunn, am Eingang zum Tösstal. Im März 1885 haben sich die beiden Tanzmusiken aus den Weilern Langenhard und Kyburg zusammengetan und eine Blasmusik gegründet. Derzeit bestand der Verein aus 18 Mann. Darunter waren je 1 Musiker für die grosse und kleine Trommel zuständig. Der erste Dirigent war Rudolf Frei, welcher auch viele Jahre das ganze Vereinsgeschäft leitete. Da sich die Musikanten aus verschiedenen Orten des vorderen Tösstals trafen, gab man dem Verein den Namen Harmonie Kyburg. Das Schloss Kyburg war und ist heute noch das Wahrzeichen dieser Gegend.

Vom Gründungsjahr 1885 bis 1894 fehlen leider alle schriftlichen Aufzeichnungen, sofern überhaupt solche vorhanden waren. Es ist bedauerlich, dass der schriftliche Bericht über die Gründung und die 25-jährige Entwicklung des Vereins auch nirgends mehr aufzufinden sind.

Damals war die Musik auch ein Erziehungsfaktor. Man lebte miteinander und fühlte sich füreinander verantwortlich. Familienmitglieder, wie Grossvater, Vater und Söhne spielten im Verein mit. Früher hatten die Frauen keinen Zutritt zur Musik, diese gehörten in den Haushalt. Die Musik war ein wesentlicher Bestandteil zur Aufrechterhaltung und Förderung unserer Kultur. Die Statistik des Zürcher Kantonalmusikvereins zeigte, dass 1885 in unserem Kanton nur gerade ein Musikkorps ins Leben gerufen wurde. Es war der damalige Musikverein Kyburg.

1888 fand die erste Uniformierung statt. Dies war der erste wichtige Anlass seit der Gründung.

Am 31.Mai 1896 beteiligte sich die Harmonie Kyburg erstmals an einem Wettkampf.

Erst am 25. Februar 1894 fand die Wahl eines Vorstandes statt und die Anschaffung eines Protokollbuches wurde beantragt. Der erste offizielle Präsident war der Kollbrunner Johann Schoch. Bereits drei Wochen nach seiner Wahl erschienen die erste Statuten, welche durch die Generalversammlung angenommen wurde. In dieser erwähnte man zum ersten Mal den Namen Harmonie Kyburg. Im ersten Abschnitt stand: "Unter dem Namen Harmonie Kyburg bildet sich Kyburg und Umgebung eine Musikgesellschaft, welche sich die Erlernung und Pflege der Musik zum Ziel setzt."

Da der Dirigent Rudolf Frei 1895 nicht mehr zu den Proben erschien, wählte man als Nachfolger
Heinrich Müller. Er blieb dem Verein 30 Jahre lang treu.

1897 wurde die erste Fahne bestellt. Als Wahrzeichen war auf der Vorderseite das vertraute und schöne Burgenbild der noch heute bestehenden Kyburg. Die Fahnenweihe fand am 9.Mai 1897 mitten im Dorf Seen auf dem Schulhausplatz statt.

Die meisten Mitglieder des Vereins kamen aus Seen. Daher verlegte man das Probelokal 1898 nach Seen. Zuerst wurde zwischen dem Restaurant Sonne und dem Frohsinn gewechselt. 1903 wählte man die Sonne als Vereinslokal.

Nachdem der Verein 1903 seine zweite Uniform anschaffte, gab es prompt einen musikalischen Glanzerfolg. Die Harmonie Kyburg erreichte am Kantonalen Musikfest 1904 in Winterthur als Gastverein den 1. Rang in der 2. Kategorie.

Am 7. August 1910 fand im Frohsinngarten, unter Beteiligung der Seener Dorfvereine, die 25-Jahr Jubiläumsfeier statt.

1912 wurde beschlossen, eine Neuinstrumentierung durchzuführen. Mit einer würdigen Feier weihte die Harmonie die neuen Instrumente am 17. August 1913 ein.

Während des Ersten Weltkrieges hatte man Probleme, den Verein zusammen zu halten. Oft war der Bestand stark reduziert. Dazu kam 1918 die Grippe-Epidemie, welche in der Gegend wütete. Es gab sogar ein Probeverbot auf längere Zeit. Auch die Bundesfeier durfte nicht gefeiert werden.

Vier Jahre nach dem Krieg wurde im Kirchgemeindehaus Winterthur, anlässlich der dritten Neuuniformierung des Vereins, ein grosses Konzert gegeben.

Nach 30 jähriger Tätigkeit als Dirigent kündigte Heinrich Müller. 1924 übergab er den Taktstock dem jüngerem Albert Süss. Unter seiner Leitung kam der Verein musikalisch ein grosses Stück weiter.

1928 und 1931 trat die Harmonie Kyburg am Comptoir Suisse in Lausanne auf.

Nun folgte eine schwierige Zeit für den Verein. Grund für die Probleme war der häufige Wechsel der Mitglieder. Während der Weltwirtschaftskrise gab es viele Arbeitsuchende, dies wirkte sich auch auf den Verein aus. Die Kameradschaft und die Finanzen litten stark darunter.

1935 wurde trotz des Krieges das 50-Jahr Jubiläum gefeiert. Das Ziel war, etwas Freude in die trostlose Zeit zu bringen. An diesem Ereignis wurde auch vom alten Banner Abschied genommen und die neue Fahne wurde durch die Patensektion Harmonie Turbenthal entrollt. Das Jubiläumskonzert wurde von 12 Gastvereinen bestritten. Es war ein voller Erfolg.

Am Eidgenössischen Turnfest 1936 wirkte der Musikverein mit Marschmusik und Konzerten mit. Dies brachte der strapazierten Vereinskasse eine willkommene Einnahmequelle.

1938 führte man den ersten Städtischen Musiktag durch.

Als 1939 der zweite Weltkrieg ausbrach, mussten die Proben auf unbestimmte Zeit unterbrochen werden. Doch schon im Oktober leitete Albert Süss den Verein wieder. Es wurde zwar in einem reduzierten Bestand gespielt, doch der Musikverein hatte wieder eine Krise überstanden.

Im Dezember1940 fand das erste Mal eine Abendunterhaltung statt. Gemeinsam mit dem Turnverein Seen wurde der gemütliche Anlass durchgeführt.

Bis zum ersehnten Kriegsende am 8. Mai 1945 beschränkte sich die Harmonie Kyburg auf einige wenige Konzerte und Teilnahmen an Musikanlässen.

Am 13. November 1949 wurde der Verein zu einem Tafelkonzert anlässlich der 300-Jahrfeier der Kirche Seen verpflichtet.

Das Jahr 1950 war für den Verein wichtig. Es gab die vierte Neuuniformierung des Korps. 11 Gastvereine und die Seener Dorfvereine waren für das Unterhaltungsprogramm verantwortlich.

1955 trat der Dirigent Albert Süss zurück. Im März wählte man Willy Staubli zum neuen Dirigenten.
Der Glockenumzug der Kirchgemeinde Seen fand im Jahre 1958 statt. Die Harmonie Kyburg durfte an diesem Anlass nicht fehlen.

Der grösste Erfolg war bis zu diesem Jahr der Besuch am Zürcher Kantonalmusikfest, welches im Jahre1960 in Bäretswil gefeiert wurde. In der dritten Klasse erreichte die Harmonie den ersten Rang und gewann einen Goldlorbeer.

Nachdem der Verein diesen grossen Erfolg hinter sich hatte, kamen die schlechten Zeiten. Der Mitgliederbestand sank und man beschloss, etwas für den Nachwuchs zu tun. So wurde erstmals einen Jungbläserkurs ausgeschrieben und man freute sich über das Interesse. Die Jungbläser im Musikverein konnte man leider nicht lange begeistern und somit sank die Mitgliederzahl stark.

Trotzdem wurden 1969 neue Instrumente gekauft und das Musikalische wurde verbessert. Man konnte nun neue Ziele anstreben. Um das Finanzielle wieder etwas auszubessern, wurde die erste Bundesfeier an der Rössligasse gefeiert. Anschliessend gab es ein Dorffest unter der Regie der Seemer Musikanten. 10 Jahr lang war dieses Fest eine Tradition.

Anfangs der 70-iger Jahre änderte sich das Probelokal der Harmonie Kyburg. Nach dem Bau des
reformierten Kirchgemeindehaus in Seen offerierte man der Harmonie im Keller des Gebäudes ein neues Probelokal. Seit diesem findet auch jedes Jahr die Abendunterhaltung im reformierten Kirchgemeindehaus statt.

1973 wurden die neuen Uniformen und eine neue Fahne eingeweiht. Es fand ein unvergessliches Fest statt: der Städtische Musiktag, welcher dank schönem Wetter durchgeführt werden konnte.

1974 mussten die Proben wieder einmal eingestellt werden. Schuld daran war diesmal der Mangel an Heizmaterial.

Ehrendirigent Willy Staubli gab nach 20-jähriger Dirigiertätigkeit in der Harmonie Kyburg den Rücktritt bekannt. Der Verein erreichte mit diesem Dirigenten 1975 einen ansprechenden musikalischen Stand. Daher beschlossen die damaligen Mitglieder, den traditionsreichen Namen zu ändern und der neuen Zeit anzupassen. Die Verbundenheit zum gleichnamigen Winterthurer Stadtteil, Winterthur-Seen, erfolgte 1975 mit der Namensänderung, Musikverein Seen. Danach übernahm der neue Dirigent Franz W. Schmid den Taktstock und leitete mit grossem Stolz den Musikverein Seen.

Franz Schmid dirigierte den Verein nur 1½ Jahre und sein Nachfolger war ab 1977 Max Gerlach.

1981 fand erstmals in der Zwinglikirche und im St. Urban ein Kirchenkonzert statt. Diese Tradition hat man bis heute beibehalten.

Das 100-Jahr Jubiläum wurde am 17. Mai 1985 gefeiert. Während 5 Tagen feierte das Dorf das Bestehen des Musikvereins Seen in der Tennishalle Grüze. Man begrüsste die Ehrengäste zum Jubiläum. Bereits am Anfang gab der befreundete Musikverein Eintracht Darmsheim sein Musikalisches zum Besten. Von dem grossen Fest wurde eine Fotoreportage angefertigt. Der Verdienst um die Förderung des Nachwuchses wurde entsprechend gewürdigt. Das Durchschnittsalter der Bläser beim Musikverein Seen lag unter 30 Jahre und er war zurzeit das zweitgrösste Blasmusikkorps in Winterthur. Der Dirigent Max Gerlach bereitete eine musikalische Weltreise vor und die Seemer Musikanten zeigten nicht nur ihr Können, sondern auch eine enorme Vielfältigkeit. Ländler, Rock und viele andere Musikrichtungen haben die Leute erfreut. Am Schluss konnte man bis in die frühen Morgenstunden das Tanzbein mit den Original Zehnthof Musikanten schwingen.
1988 fand die Einweihung des Schulhauses Büelwiesen statt, wo wir heute noch in der Mittwochsprobe gastieren.

1989 fand das Eidgenössische Musikfest in Pfäffikon statt. Für diesen Anlass wurde sehr viel geübt, um einen guten Rang zu erhalten.

1990 hatte der Musikverein Seen einen Mitgliederbestand von 59 Aktiven und einen Fähnrich.

1992 führte der Verein 16 Platzkonzerte durch. In diesem Jahr sind viele Vereinsmitglieder ausgetreten. Trotzdem wurden 2 Musikreisen durchgeführt.

Die jährlichen Kirchenkonzerte legte man auf ein Wochenende. Am Samstag findet es in der Zwinglikirche und am Sonntag im St. Urban statt. Nach dem Konzert im St. Urban trifft man sich zum gemütlichen Nachtessen, welches vom Verein organisiert wird.

Die Jungbläser fuhren 1995 nach Darmstadt. Es fand ein Treffen mit einem grossen Konzert aus den Seemer- und den Darmstadtjugendlichen statt.
Seit 1996 wird die Seener-Dorfet organisiert. Sämtliche Dorfvereine sorgen für Stimmung und Unterhaltung und man kann sich kulinarisch verwöhnen lassen. Der Musikverein Seen darf da natürlich nicht fehlen.

1996 nahm der Verein am Eidgenössischen Musikfest in Interlaken teil. Rund 460 Musikvereine zeigten ihr Können an diesem Wettkampf. Ein grosser Erfolg war das Schöpfifest in Dickbuch.

Der Musikverein Seen reiste 1997 mit dem Car nach Darmstadt und führte gemeinsam mit dem ortsansässsigen Musikverein ein Konzert auf.

Anfangs Juli 1998 besuchten die Musikanten den Weinländer-Musiktag. Das Spielen wurde bewertet. Im selben Jahr gab der Musikverein ein Frühschoppenkonzert für die Einweihung des neuen Schulhauses Oberseen.

Christian Hänni wurde 1999 zum neuen Dirigenten gewählt.

Ein gelungenes Frühschoppenkonzert vor dem Restaurant Grüntal konnten sie im Jahr 2000 präsentieren. Die Einweihung des Spitexzentrums Seen war ein Erfolg. Ein ganz spezieller Anlass war der Schlittelplausch mit gemütlichem Fondueessen auf dem Hörnli.